Basis

Die Basis ist der unterste Bauteil einer Säule und der Abstand zweier zum Ziel ausgerichteter Kameras, die Grundstruktur eines Kristalls und eine deutsche Pop-Band. Sie steht in der Partei dem Überbau am Fuß und ist die Grundlinie eines gleichschenkligen Dreiecks. Sie ist der wichtigste Teil von Transistoren und Kirche, sowie eines der Grundglieder des Spaltbeins der Krebstiere. In der Funktionalanalysis nennt man eine linear unabhängige Teilmenge mit dichter linearer Hülle eine Schauderbasis. Ist diese orthonormal, heißt sie Hilbertbasis. Aber auch die FPÖ besitzt eine Schauderbasis, die mitunter ihren abdriftenden Funktionsträgern kritiklos hinterherläuft. Die Kirchenbasis ist verunsichert, empört, tritt um sich oder aus. Wenigstens will sie Brücken bauen. Im Gegensatz dazu möchte die in den Siebzigern gegründete Brennerbasis angeblich einen Tunnel bohren, der in den Zeitungen der letzten Jahrzehnte dem Ungeheuer von Loch Ness und dem Yeti schon den Rang abgelaufen hat. An der Universität trainiert die Basis bisweilen Demokratie. Doch jede Pyramide besitzt zu ihrer Basis auch eine Spitze. Diese werkt in unseren Stadtteilen Hötting- West und Kranebitten, keine 200 Meter Luftlinie von meiner Wohnung entfernt. Während der bislang letzte Physik- Nobelpreisträger der Universität Innsbruck, der Deutsche Viktor Franz Hess, der am Hafelekar die Höhenstrahlung erforschte, nur mehr seinen Namen einer Straße und einem Universitätshaus leiht, wird der nächste wahrscheinlich ein echter Innsbrucker sein: Peter Zoller, in Neupradl aufgewachsen und schon lange in St. Nikolaus daheim. Warum ich das weiß? Weil er acht Jahre mit mir das Gymnasium besuchte und noch immer zu meinen Freunden zählt. Auch wenn ich zu seinen Erfolgen – zahlreiche Auszeichnungen wie die Benjamin Franklin Medaille für Physik, den spanischen BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award, die Dirac- Medaille, die Max Planck Medaille, den Erwin Schrödinger Preis und vieles mehr hat er schon erhalten und ist Mitglied von Akademien der Wissenschaft in verschiedenen Ländern – nichts beigetragen habe, erfüllt mich das mit Stolz. Sicher ist es für einen theoretischen Physiker schwer, für sich allein den Nobelpreis zu erringen. Doch Peter hat viele theoretisch und experimentell arbeitende Kapazunder an seiner Seite: Hans Jürgen Briegel, Rainer Blatt, Rudolf Grimm, seit einigen Jahren den ehemaligen Adolf-Pichler-Platz- Schüler Gregor Weihs und den nach Wien nicht allzu weit abgewanderten Anton Zeilinger, die allesamt Teams um sich geschart haben, deren Mitglieder nicht gefragt werden, ob sie aus Italien, Griechenland, Russland, Deutschland oder Korea kommen, sondern was sie gerade wieder voranbringen. So verschieden sie alle sind, sie haben sich der Teamarbeit verpflichtet. Drüben am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation und etwas weiter westlich in den bereits viel zu kleinen Labors nahe den Feldern wird gedacht, gefeilt, gemessen, programmiert und ausgearbeitet, dass unser Hören und Sehen nicht mehr Schritt halten kann. Das ist der Punkt. In der Schule soll ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen dafür sorgen, dass meinem alten Freund Peter und seinen Kumpels an der Spitze der Wissenschaft die heimische Basis nicht ausgeht. Wir als Stadtteilbasis sollen diese Spitze jedoch auch einmal vor den Vorhang bitten und sie im Ansinnen, größere Labors zu erhalten, unterstützen, denn Wissenschaft ist ein bedeutender Teil der Kultur. Sie ist hier mit uns als Stadtteil größer geworden. Wir wollen sie entsprechend schätzen.