Bücherwind: Steinlechners Leute

Vom Autor Wolfgang K.H. Praxmarer, geb. 1956 in Tirol, wohnhaft in der Ulfiswiese, Lektor für deutsche Literatur u.a. in Tschechien und Johannesburg/ Südafrika, er arbeitet zur Zeit in Leeds/GB, ist im Mai 2009 ein neuer Roman aus der Serie „Steinlechners Leute“ mit dem Untertitel „Medeas Fluch“ erschienen. Vom Schriftsteller und Bibliothekar Helmuth Schönauer von der Universität Innsbruck stammt folgende Rezension: Steinlechners Leute – Medeas Fluch Ein Kommissar kann sich seine Fälle nicht aussuchen, er muss im Leben und in der Literatur nehmen, was gerade ansteht. Nach zwei eher internationalen Fällen trifft es Kommissar Steinlechner dieses Mal ganz irdisch trivial. In der Wiener Prostituierten -Szene geschehen kurz vor Weihnachten drei Morde. Aber schlimmer noch, der Innenminister ist furchtbar lästig und will Aufklärungserfolge. Die Presse ist wie immer zynisch bis unausstehlich, und mit der Ruhe im Präsidium ist es auf der Stelle vorbei. Fallweise kommt Steinlechner nicht einmal mehr zum Kaffee trinken, so hektisch flanieren die Mordakten auf dem Schreibtisch herum. Allmählich bringt Steinlechner ein paar Koordinaten in das Ermittlungschaos. Von einem Gürtel-Strizzi lässt er sich so genannten Zund geben, vermutlich handelt es sich bei den Ermordeten um Opfer aus einem simplen Verteilerkampf am Strich. So rasend kann das Tagesgeschäft für einen guten Kommissar gar nicht gehen, dass nicht am Abend noch ein wenig Zeit für einen Krimi bliebe. Steinlechner ist ziemlich erstaunt, als er den Krimi eines gewissen Max P. Rarer liest, in dem ebenfalls ein Kommissar Steinlechner die Hauptrolle spielt. Weihnachten geht ohne Aufklärung der Fälle über die Runden, da gibt es noch einen Mord. Steinlechner staunt nicht schlecht, als er erkennt, dass in diesem Falle alles so abläuft wie in dem Krimi, den er gerade gelesen hat. Zwischen den Kaffeepausen verfällt der Ermittler, hin- und hergerissen zwischen Gelesenem und als Wirklichkeit Ausgelegtem in eine so genannte Beobachtungstrance. Dabei huschen Schlüsselwörter der Ermittlung durch den Kopf und führen meist zu dem lapidaren Seufzer: „Dead end“. Letztlich hilft ein winziges Detail aus der griechischen Mythologie bei der Lösung des Falles. „Medeas Fluch“ ist der bislang rasanteste und glaubwürdigste Fall aus der Serie „Steinlechners Leute“. Wolfgang K. H. Praxmarer nimmt sich dabei in der Figur des Max P. Rarer selbst auf die Schaufel und erzählt unverfroren vom Schicksal eines Kriminalautors. Die Parallellektüre zwischen Krimi-Handlung und Krimi im Krimi ist ein intellektuelles Vergnügen, das dem oft recht derben Alltag an der Wiener Gürtel-Meile einen höheren Sinn verleiht. Allmählich verschmilzt man als Leser mit dem Kommissar und übernimmt alle seine Marotten: Kaffee trinken, Schnauzer pflegen, dem politischen Establishment aus dem Weg gehen! Medeas Fluch ist ein vergnüglich intellektueller Krimi über die nebelverhangenen Machenschaften, die zwischendurch über Wien hängen.

Wolfgang K. H. Praxmarers Roman „Medeas Fluch“, aus der Serie „Steinlechners Leute“, kann in jeder Buchhandlung bestellt werden.