Der Fliegenpalast

Kappacher, Walter:

Der Fliegenpalast.

Salzburg: Residenz Verlag, 2009. 171 S.

Georg-Büchner-Preisträger 2009

 

Hugo von Hofmannsthal, 1874 in Wien hineingeboren in den letzten Glanz des alten Österreich, gehört zu den bedeutendsten Vertretern des österreichischen Impressionismus und Symbolismus. Berühmt geworden als frühreifes Genie, vor allem mit seiner Lyrik, haben ihn der Zusammenbruch Österreichs und die Jahre der Not danach bitter getroffen. Er spürte, dass eine Epoche zu Ende ging, dass das geistige Europa in seiner ganzen Traditionstiefe im Sterben lag. Im Jahre 1924 bedrängt eine Lebens- und Schaffenskrise den 50jährigen Hugo von Hofmannsthal. Im hochgelegenen Bad Fusch, im Salzburgischen, wo er als Heranwachsender schöne Sommerwochen mit den Eltern verbrachte, sucht er für zehn Tage Ruhe, Inspiration und eine Art Neuorientierung. Diese Tage hat Walter Kappacher als Thema gewählt. Er versucht den behutsamen Einstieg in die innere Lebenswelt eines Menschen und Künstlers. Hofmannsthal ringt mit seinem Alterswerk „Der Turm“, kommt aber im Arbeiten kaum weiter. Er verspürt verschiedenste Beeinträchtigungen, Herzund Schwindelanfälle, Wetterfühligkeit, diffuse Empfindlichkeiten, verbunden mit einer ständigen Gereiztheit. Auch ist er äußerst menschenscheu, geht fast allen Begegnungen aus dem Weg, verspürt aber doch Sehnsucht nach Gesprächen. „Jemanden zum Reden, das entbehrte er immer mehr, und immer weniger ertrug er das Geschwätz“. Der ruhige, präzise Erzählstrom dieses Textes vermag Leserinnen und Leser zu fesseln, so dicht fließen Lebensstrom, Erinnerungen, Assoziationen, die Landschaft, das Wetter, die wenigen äußeren Ereignisse ineinander. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat das Buch mit dem renommiertesten Literaturpreis für deutschsprachige Autoren, dem Georg-Büchner-Preis, ausgezeichnet.