Der Wacholder

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Der auf dem neuen Kranebitter Wappen abgebildete Wacholderzweig ist eine Darstellung des bei uns beheimateten gemeinen Wacholders (botanische Bezeichnung: Juniperus communis). Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit an extreme Temperaturen, Trockenheit und unterschiedlichste Bodenverhältnisse ist dieser immergrüne Strauch von den Halbwüsten Nordafrikas bis zu den Küsten des Eismeers beheimatet und unter verschiedensten Namen bekannt. Als Reckholder, Queckholder oder Rauchbaum bezeichnet, findet man ihn auch in den Märchen der Gebrüder Grimm unter dem Namen Mochandelbaum. In unseren Breiten kennt man ihn unter anderem als Krametsbeere, Kranebittenstrauch oder Kranewittn - ein Name, der sich vom Krametsvogel, der Wacholderdrossel, ableitet, die die Früchte des Wacholders besonders schätzt. Von Alters her begleitet der Wacholder die Menschen. Ob als Gewürz im Sauerkraut, in Wildgerichten und Geräuchertem, als Wacholderschnaps oder als Arznei in muskelerwärmenden und entspannenden Salben sowie als harntreibende Komponente in Nierentees - die Verwendung des Wacholders ist vielfältig. Er zählt darüberhinaus zu den ältesten Ritualpflanzen. Von den Indianerstämmen Nordamerikas bis zu den Menschen Indiens wurde und wird er wegen seiner reinigenden Wirkung verwendet. Mit seinem Rauch schützten die Ägypter ihre Mumien, die Germanen und Kelten vertrieben böse Geister und Hexen. Im Mittelalter versuchte man damit Epidemien einzudämmen. Die Bauern schützten mit seinen Zweigen ihr Vieh und in manchen Gegenden versuchten die Menschen mit Wacholderästen in den Fundamenten ihrer Häuser den bösen Blick abzuwenden. Die enge Verwurzelung mit dem Alltag und der große Respekt für diese in Vielem besondere Pflanze zeigt sich am deutlichsten in folgendem Spruch: Vorm Holunder zieh den Hut, vorm Wacholder aber beug dein Knie!