Die Schiene hat wieder Zukunft

Erstellt von Otto Licha | |   Seitenwind

Die Schiene hat Vergangenheit. Wer erinnert sich noch, als zum ersten Mal eine Lokomotive einen Personenzug bewegte? Kein Mensch mehr, denn das war am 27. September 1825 zwischen Stockton und Darlington. In Innsbruck aber leben noch viele, die als Kinder oder Jugendliche mit elektrischen O-Bussen der Linien A, B und C die Stadt durchquerten. Bald aber wurden die Oberleitungen allesamt abmontiert, denn Diesel war günstiger. Als das Umweltbewusstsein einsetzte, erlebten wir die Jahrzehnte der „Testbusse mit Rußfilter“, und nachdem sich Ende der Achtziger Jahre saure Wiesen, Hunde-Trainier-Platz und Peerhöfe in unseren neuen Stadtteil verwandelt hatten, sahen wir den IVB-Monteuren zu, wie sie glänzende Kupferdrähte als neue Oberleitungen installierten. Was für ein Großstadt-Gefühl!

Neue Wirtschaftlichkeits-Berechnungen zogen ins Land, die das inzwischen längst geschwärzte Kabelgeflecht nach bislang 15 Jahren wieder entwirren und abmontieren wollen, denn Straßenbahnen brauchen ja eine andere Art der
Oberleitung. Warum diese Rechen-Aufgaben vor zwei Jahrzehnten entweder ein anderes Resultat lieferten als heute oder nicht durchgeführt wurden, muss man nicht unbedingt hinterfragen.

Nun hat also die Schiene wieder Zukunft, wie kürzlich in einer entgeltlichen Einschaltung der IVB in der Tiroler Tageszeitung zu lesen war. Warum wir dadurch an Mobilität

zulegen, ist nicht geklärt, da eine Bahn ja keinen Zentimeter von ihrer vorgegebenen Spur abweichen kann. Vielmehr müssen alle anderen Verkehrsteilnehmer ihr ausweichen, und darin liegt ein großer Vorteil: Man lässt unsere neue Tram neben der Kranebitter Allee viel schneller in die Stadt düsen als dies derzeit der „O“ schafft. Nach der Fertigstellung dieser neuen Mobilität darf ich endlich auch mit den Grünen gegen die Abfahrt Mitte sein. Dann werden mir nämlich die Autos, die allmorgendlich viele Mitbürger durch die Stadt zur Arbeit nach Pradl bringen und hinter denen sich mein „O“ anstellen muss, völlig egal sein, während ich sie mir derzeit noch auf die Autobahn wünsche.

Am Regionalbahnprojekt-Plan der TT-Einschaltung sticht natürlich auch der Linienverlauf in unserem Stadtteil ins Auge. Er gleicht der Linienführung des derzeitigen „O“ aufs Haar. Wird das ein berauschendes San-Francisco-Feeling! Bei Anstiegs-Problemen könnte man immer noch auf Zahnräder oder Zugseile zurückgreifen. Oder gibt‘s geheime Pläne für eine Allerheiligen-Peerhof-Gondelbahn? Vielleicht aber löst eine völlig neue Straßenbahn-Technologie all diese Schwierigkeiten. Sie hat ja, wie man im Falle unseres ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) hört, noch gemütliche zehn Jahre Zeit.