Durch und Unter

Erstellt von Otto Licha | |   Seitenwind

Die Raben krächzen. Ich möchte gar nicht hinhören, aber einer lacht mich aus. Haha, kräht er, da nörgelst du an der IVB herum, doch jetzt hat sie ihre Vorverkaufssäulen installiert. OK, ich danke den Verkehrsbetrieben für die Erfüllung meines Wunsches im Namen vieler StadtteilbewohnerInnen. Ich selbst hätte so was ja nicht gebraucht, besitze ich doch eine Jahreskarte, die mir keinerlei Rabatt gewährt, wenn ich von der neuen Haltestelle Kranebitten mit dem T in fünf Sekunden über die Innbrücke rutsche. Zwei Zonen – entschuldigt, natürlich Waben – gilt es dann zu zahlen. Die Jahreskarte kann ich mir wohin auch immer schieben. Macht nichts. Ich laufe ja lieber nach Völs. Das hält mich fit. Ich möchte nämlich gesund leben und sehr alt werden, um nicht zu verpassen, dass die Dreier endlich in die Peerhofsiedlung fährt, denn in der Dreier lässt’s sich vortrefflich dichten. Das hat schon der Dichter dem Albert im Café Central erklärt (Buch: Die Begegnung – wir leben nicht des Sinnes wegen). Die Arbeit an den Vorverkaufssäulen wurde also durchgeführt. Diese Durchführung ist gesichert, die Unterführung aber nicht. Welche Unterführung? Wir erinnern uns: wegen des „Pfeifens“ der Züge konnte niemand mehr schlafen. Die häufiger als früher passierenden Züge pfiffen aber nicht, sondern heulten wie die hungrigen Wölfe. Ihr Hupton weckte das heilige Land zwischen St. Anton und Fieberbrunn unweigerlich jede Nacht auf. Die Anrainer atmen auf, dass der Zug nicht mehr hupt. Um ihnen und uns allen zu helfen, gab sich Stadtrat Peer der Idee hin, den Fußweg über die Bahn zu sperren. Eine wichtige Partei in der Stadt jedoch betonte in ihrem Schreiben: „Kein Pfeifen der Züge“ UND „Erhalt einer wichtigen Fußwegverbindung“. Wie wir wissen, darf in der Demokratie die Opposition schreiben, was sie will. Ob das Geschriebene beachtet wird, hängt vom guten Willen der die Macht innehabenden KollegInnen ab. Wo ist nun der gute Wille für das grüne Schreiben des guten Willi? „Derzeit laufen die Planungen für die Errichtung dieser Unterführung. Demnächst soll ein erster Kostenrahmen vorliegen. Dann werden Verhandlungen über die Finanzierung geführt. Wir verlangen und setzen uns dafür ein: Bis zum Frühjahr muss es eine dauerhafte Lösung geben. Die Finanzierung zwischen ÖBB, Land und Stadt muss ausverhandelt sein. Spätestens im Mai muss mit den Bauarbeiten begonnen werden.“ Frühjahr, Mai, etc. Das Schreiben ist vom 20. Februar 2009. Gemeint ist das vergangene Frühjahr, der vergangene Mai. Papier ist noch geduldiger als die Anrainer. Ein Jahrhunderte alter Weg wird einfach zugerammelt. Fein, es wird nicht mehr geheult. Und wahrscheinlich ist eine Unterführung im ansteigenden Weg schwer durchzuführen. Doch wer ersetzt den AnrainerInnen unterhalb der Bahn den niedergetrampelten Zaun, weil sich etliche Wegabschneider in der Zwischenzeit tausendmal ihr Gewohnheitsrecht erklettert haben? Und wer kümmert sich um die Interessen der Stadtteilbewohner, wenn eigenhändig unterzeichnete oppositionelle Vorhaben offenbar nicht einmal mehr den Wert von Altpapier besitzen?