Ein interessanter Kopf schreibt Kranebitter Geschichte

Manche Menschen hören und sehen Dinge, die es gar nicht gibt - glauben andere, die es nicht wissen.

Da taucht eines Tages in Kranebitten ein Totenschädel auf, dem zunächst gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wird - er ist ja nur aus Holz. Weil aber das "Kranebitter Urgestein" namens Franz Spörr den "Erdklumpen", wie die Bauarbeiter sagen, aus der tiefen Baugrube am Harterhofweg herausholt, landet er nicht auf der Materialdeponie. Hildegard Auer, die das alles vom Bus aus sieht, lässt es nicht mehr los, bis sie den wunderschön geschnitzten Schädel in Händen hält und es ihr durch den Kopf schießt: 300 Jahre alt. Sie liegt nicht ganz daneben, wie Dr. Menardi vom Volkskunstmuseum, Dr. Arnold vom Landeskulturamt und Mag. Sölder vom Museum Ferdinandeum bestätigen. Es handelt sich um ein so genanntes "Memento mori" - "Gedenke des Todes". Solche Schädel tauchen bereits im 12. Jh. auf, ihre Hochzeit ist aber im Barock (ca. 1600 bis 1770). Das alte Bauernhaus in Kranebitten, für das sich niemand interessierte und das es jetzt nicht mehr gibt, wo aber der Schädel gefunden wurde, stammte aus dem Jahr 1643, davor soll dort eine Jagdhütte Kaiser Maximilians gestanden sein.

Durch den auch "Adamsschädel" genannten Totenkopf windet sich eine züngelnde Schlange und das hat mit dem Sündenfall zu tun. Derzeit wird er im Museum Ferdinandeum konserviert und kehrt dann nach Kranebitten zurück. Wie alt er wirklich ist, wissen wir noch nicht: 300 Jahre, vielleicht mehr? Wir forschen weiter.