Haarige Geschichte

Meist hatte ich es eilig und brauchte schon am nächsten Tag einen Termin. Ungefähr alle vier Wochen schrillten beim Blick in den Spiegel bei mir die Alarmglocken. Fast reflexartig griff ich zum Handy, die Nummer fand ich bei „F“. Und bald hörte ich die freundliche Stimme von Sylvia, Süheila oder Betty mit der höflichen Frage: „Was kann ich für Sie tun?“ Dann ging es um Schnitt, Farbe oder Quick Color, föhnen oder trocknen.

„Meine“ Friseurinnen vom dm! Von Dienstleisterinnen wurden sie im Laufe der weit mehr als zehn Jahre zu guten Bekannten. Kinder, Nichten und Neffen, Großmütter und Mütter – aus langen Erzählungen kannten sie meine Familie und ich ihre. Eine Oase der wohlwollenden Kommunikation, wie es sie heutzutage immer seltener gibt, eine Quelle der Entspannung und Verschönerung.

Doch nun ist der dmFriseur in der Technikerstraße geschlossen. Die Konzernführung hat beschlossen, das Warensortiment des Geschäftes zu vergrößern, was natürlich mehr Platz benötigt. Deshalb musste der Friseur – obwohl erfolgreich und gut besucht – weichen. Die Räume, in denen gewaschen und geföhnt, geplaudert und gelacht wurde, sind leer. Im August wird umgebaut.

Süheila, die Chefin des Salons, hat die Schließung nicht verhindern können, hat sich aber vehement und mit Erfolg dafür eingesetzt, dass die Friseurinnen gemeinsam in ein anderes dmFriseurstudio kamen. Nun sind alle außer Betty, die vorübergehend auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida“ den TouristInnen zu einer feschen Frisur verhilft, im dez zu finden Viele StammkundInnen sind ihnen treu geblieben. Der Weg dorthin ist länger, aber das wird in Kauf genommen. Parkplätze gibt es genügend, der Bus „T“ fährt direkt hin. Man steigt bei der „Ikea“Haltestelle aus, überquert die Straße und betritt das Einkaufszentrum durch den Nebeneingang. Nach wenigen Metern sieht man schon das dmSchild leuchten.

„Natürlich ist die Atmosphäre eine andere“, erzählt Süheila. „Am Freitag und am Samstag kommt viel eilige Laufkundschaft, während der Woche ist es ruhiger.“ Und sie fügt mit belegter Stimme hinzu: „Ich freue mich so, wenn jemand aus HöttingWest kommt! Am liebsten würde ich sie alle umarmen!“ Sie versucht, das Positive zu sehen und das auch ihren Mitarbeiterinnen zu vermitteln: „Ich habe zehn Jahre ein hervorragendes Arbeitsklima gehabt, ich bin dankbar dafür. Nun stecke ich meine Energie in einen neuen Anfang!“