Rauchen, Saufen, Kiffen - normal oder Skandal? (2)

Erstellt von Mag. Gerhard Gollner, kontakt+co Suchtprävention Jugendrotkreuz | |   Print-Artikel

Teil 2: Suchtgefährdung erkennen

Bei Kinderkrankheiten ist die Sache oft recht einfach: Rote Pünktchen auf der Haut, Kopfweh und Temperatur - es dürfte sich um Scharlach handeln. Das Problem ist bald erkannt, und es ist auch rasch klar, was zu tun ist. Natürlich würden Eltern gern auch auf eine Liste von Signalen zurückgreifen, wenn es später um die Frage geht, ob der Nachwuchs im Jugendalter möglicherweise Cannabis konsumiert. "Wie erkenne ich, ob mein Kind ein Drogenproblem hat?", ist dementsprechend die wohl häufigste Frage bei Elterninformationsabenden zum Thema Sucht. Leider gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort.

Mit der Einschränkung, dass hier auch andere Faktoren eine Rolle spielen können (z.B. eine Erkrankung), gibt es einige mögliche Signale in Bezug auf einen aktuellen Konsum:

Cannabis: gerötete Augen, weite Pupillen, angehobene Stimmung, "Fressattacken"

Opiate (z.B. Heroin): enge Pupillen, Verlangsamung

Ecstasy: Getriebenheit

generell: verminderte Ansprechbarkeit und Realitätsanpassung, plötzliche Veränderung der Beziehungsgestaltung, motorische Störungen, Sprachauffälligkeiten

Allerdings: Derartige Auffälligkeiten sagen wenig darüber aus, ob tatsächlich ein Problem vorliegt; viele Jugendliche sind einfach nur Probierer oder Gelegenheitskonsumenten. In Bezug auf eine Suchtgefährdung sind andere Phänomene weitaus aussagekräftiger:

Aufgabe des bisherigen Freundeskreises

Leistungsabfall in Schule oder Beruf

Interessensverlust gegenüber bisherigen Aktivitäten (Hobbys)

extremes Rückzugsverhalten gegenüber Erziehungspersonen

chronische Geldprobleme; ständiges Fordern nach Auszahlung von Barbeträgen im Voraus (Taschengeld usw.)

Wechsel von extremer Müdigkeit ("Abnicken") mit übertriebener plötzlicher Aktivität oder starker Albernheit

starke Gewichtsabnahme in relativ kurzer Zeit; Schlafstörungen, Magen- und Kreislaufprobleme

schwere psychische Probleme, erhöhte Reizbarkeit, Aggressivität.

Entscheidend ist hierbei, dass mehrere dieser Auffälligkeiten rasch eintreten und längerfristig beobachtbar sind (im Unterschied zu ganz normalen Stimmungsschwankungen und Eigenheiten in der Pubertät). Ob nun Drogenkonsum oder andere Ursachen hinter einer derartigen Veränderung der Persönlichkeit des/der Jugendlichen stehen, es ist in jedem Fall notwendig, angemessen zu reagieren.

Dazu mehr in der nächsten Ausgabe von "Westwind", Teil 3: Das erste Gespräch im Problemfall und die nächsten Schritte