Rauchen, Saufen, Kiffen - normal oder Skandal? (3)

Teil 3: Das erste Gespräch im Problemfall und die nächsten Schritte

Ich höre von einer befreundeten Mutter, dass bei der letzten Fete unserer Kinder offensichtlich alle gekifft haben. Das Telefon läutet und ich erfahre, dass unsere Tochter mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert werden musste.

Wenn dergleichen unversehens passiert, ist meist gleich "Feuer am Dach". Wir haben das Gefühl, sofort und massiv reagieren zu müssen. Aber Angst, Aufregung oder Ärger sind keine guten Ratgeber - gerade in angespannten Situationen ist es notwendig, mit einer gewissen Ruhe die Angelegenheit anzugehen. Was konkret kann dabei hilfreich sein?

 

Die Vorbereitung auf das Gespräch

Informieren Sie sich über die Thematik bei einer Facheinrichtung, in Broschüren oder auch im Internet. Wenn Sie mit Ihrem Kind ein gutes Gespräch führen wollen, sollten Sie nicht ganz unvorbereitet sein. Auch ein Jugendlicher hat Anrecht auf fundierte Argumente und nicht nur emotionale Äußerungen. Besprechen Sie mit Ihrem Partner vor dem Gespräch die Situation und stellen Sie sicher, dass beide Elternteile in dieser Sache eine Position vertreten und ein gemeinsames Ziel haben. Es kann sonst geschehen, dass sich Mutter und Vater in der Diskussion mit der/m Jugendlichen "in die Haare kriegen", was das Ganze freilich nicht erleichtert.

Insbesondere sollten Sie nicht in erster Linie der Frage nachgehen "Was haben wir nur falsch gemacht?!" Die Frage nach der Schuld ist lähmend und führt nicht in Richtung einer Lösung. Sinnvoller ist es, sich zu überlegen, an welche Stärken in der Familie angeknüpft werden kann - und es gibt in jeder Familie Gutes, auf das man aufbauen kann, um zumindest einmal ein vertrauensvolles Gespräch zu ermöglichen.

Schließlich sollten Sie das Gespräch nicht gleich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit vom Zaun brechen, etwa wenn die/der Jugendliche spät nach Hause kommt. Man ist selber vielleicht gerade recht erregt und zugleich müde von einem langen Arbeitstag. Wenn dann die Diskussion schwierig verläuft, kann es leicht geschehen, dass auf beiden Seiten rasch "die Sicherungen fliegen" und alles eskaliert.

In aller Regel schaut also weit mehr heraus, wenn man nicht
überhastet und unvorbereitet "losschlägt", sondern z.B. auf das nächste Wochenende wartet, um in aller Ruhe und in einer für alle angenehmen Atmosphäre miteinander zu reden.

 

Das Gespräch und die Kunst des Zuhörens

Wer wirklich in Erfahrung bringen möchte, was mit dem Kind los ist (ob die Geschichte als vermutlich einmaliger Ausrutscher zu werten ist oder mehr dahinter steckt), muss sich zunächst einmal zusammenreißen und über den eigenen Schatten springen. Nämlich in der Weise, dass zunächst Vorwürfe und Anschuldigungen vermieden werden und man sich "einfach" nur einmal offen und ruhig anhört, was die/der Jugendliche zu sagen hat. Es sollte aber auch kein Verhör werden, in dem man das Kind mit der bohrenden Frage nach dem "Warum?" in Bedrängnis und in Verteidigungsstellung bringt. Die Frage nach dem "Wie war das für dich?" stellt eine offenere Gesprächssituation her.

 

Vereinbarungen und weitere Schritte

Die nächsten Schritte sollen hier nur in Stichworten kurz angerissen werden: Die eigenen Ängste, Vorbehalte ruhig und klar ansprechen - Vereinbarungen mit der/m Jugendlichen treffen, die sicherstellen, dass keine weiteren Probleme folgen - eine bestimmte Zeit lang beobachten, ob die Vereinbarungen eingehalten werden (z.B. Verlässlichkeit bei den Ausgehzeiten, keine Verschlechterung in den Schulleistungen, ...) - realistische und angemessene Konsequenzen festlegen und setzen, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten werden - sich frühzeitig fachliche Unterstützung bei einer Beratungsstelle holen, wenn die bisherigen Bemühungen nicht fruchten. Und vor allem: im Gespräch bleiben.

Ein Patentrezept ist die oben beschriebene Vorgangsweise natürlich nicht. Aber sie mag dazu beitragen, dass aus einer krisenhaften Situation nicht wirklich ein dauerhaftes Problem wird, sondern - im Idealfall - die vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Kindern sogar noch gestärkt wird.

Mag. Gerhard Gollner,
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Suchtprävention Jugendrotkreuz