Sommerruhe raus - Herbstchaos rein?

Erstellt von Kerstin Nemec-S. | |   Online-Artikel

Anmerkungen zur Verkehrsproblematik in Hötting-West

Plätscherndes, klares Wasser, schnatternde, flatternde Enten, ein paar Kinder, Fische beobachtend ... Idylle pur am Lohbachufer. Parkmisere? Nein, während der schul- und unifreien Monate gibt es für alle genügend Platz, niemand behindert Ausfahrten oder verstellt Kreuzungsbereiche. Es funktioniert wie es seit Jahrzehnten funktioniert hat - aber eben nur in den Ferien. Auch im westlichen Bereich des Stadtteils war im Juli und August die Parkplatzsituation friedlich, nur schade, dass das angedachte Aussetzen der Gebührenpflicht in der dortigen Kurzparkzone die bürokratischen Hürden nicht geschafft hat. Ein bisschen störte auch, dass auf dem menschen- und autoleeren Parkplatz der VS und HS Hötting-West die Schulwarte dazu angehalten waren, wie die Zerberusse alle Falschparkenden zu verwarnen ...

Seit einem Jahr beschäftigt sich eine Gruppe engagierter AnwohnerInnen im Rahmen des "Verkehrsarbeitskreises Hötting-West" (kurz VAK) systematisch mit dem Thema Verkehr in unserem Stadtteil. In regelmäßigen Treffen wurden mehrere Vorschläge an die Stadt erarbeitet, die unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Standpunkte der Bevölkerung hinsichtlich der Ausweitung der gebührenpflichtigen Kurzparkzone, der Abschaffung bzw. Beibehaltung der Durchfahrtssperre am Lohbachufer, der verkehrsberuhigenden Maßnahmen in der Karl-Innerebner-Straße und Tschiggfreystraße, etc. konkrete Lösungsmöglichkeiten beinhalteten. Die Reaktionen von Seiten der betroffenen Ämter, die zu den Arbeitssitzungen des VAK auch einige Male die zuständigen Beamten entsandten, waren zunächst vielversprechend. Auch der zuständige Politiker, Verkehrsstadtrat Dr. Georg Gschnitzer, nahm im Februar 2001 an einer Sitzung teil und versprach, sich für die Lösung der Verkehrproblematik im Stadtteil einzusetzen. Plötzlich jedoch wollte niemand mehr so richtig für uns zuständig sein. Der VAK arbeitete weiter, neue Lösungen wurden gesucht, aber alle waren aus dem einen oder anderen Grund nicht umsetzbar. Es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass der Ball bei den StadtpolitikerInnnen liegt, die diesen tunlichst nicht bewegen, weil sie nicht wissen, in welche Richtung - zu unterschiedlich die Wünsche der Bevölkerung, zu umstritten die Lösungsmaßnahmen innerhalb der regierenden Partei. Der VAK gibt nicht auf .... soviel ist sicher.

Hier ein Überblick über die Probleme, die sich in den letzten Jahren beim fließenden sowie beim ruhenden Verkehr ergeben haben:

Die UNI ist schuld?

Die Technische Universität ist eine international anerkannte Bildungsinstitution, die in ihren vielen verschiedenen Instituten großartige Lehr- und Forschungsarbeit leistet (siehe WW-Artikel vom März 2001: "Die Universität - der unbekannte Stadtteil"). Ihre Lehrenden und StudentInnen sollen uns willkommen sein, bringen sie doch Leben und ein Quäntchen großstädtisches Flair nach Hötting-West - allzu viele aber leider im Auto ...

Was nämlich die Problematik des ruhenden Verkehrs - sprich: die Parkmisere - betrifft, sind sich alle einig (!): Seit dem Bau des Europaheims und der ersatzlosen Streichung der zuvor dort befindlichen Studenten-Parkplätze, wichen die Parkplatzsuchenden auf die Bereiche Josef-Stapf-Straße, Negrellistraße, westliches Lohbachufer aus und belagerten vor allem auch die von den AnwohnerInnen dringend benötigten Parkplätze vor den Geschäften und Institutionen in der Viktor-Franz-Hess-Straße. Im Gegensatz zu Betrieben scheint es für Universitäten keine Verpflichtung zu geben, Parkplätze für Ihre "Kunden" bereitzustellen, es sei denn gebührenpflichtige. Und so verschlimmerte sich die Situation kontinuierlich. Der Hilferuf der Bevölkerung an die Stadt, eine Lösung zu suchen, gipfelte in einer Pseudo-Bürgerversammlung am 19. September 2000, die über die Option "Gebührenpflichtige Kurzparkzone" informieren sollte, in Wirklichkeit aber eine "vollendete Tatsache" präsentierte (siehe WW-Artikel vom Oktober 2000)! Der Unmut war groß, aber man fügte sich nolens volens dem Schicksal. Die absehbare Folge dieser Maßnahme waren autoleere Straßenzüge in der neuen Zone und eine erneute Verlagerung der "Parkflächen" gen Osten, d.h. in die schmalen Lohbachwege und an das gesamte Lohbachufer.

Lohbachsiedlung

Das Lohbachufer wurde durch rücksichtsloses Verparken arg in Mitleidenschaft gezogen - eine Tatsache, die die Errichtung des schon lange als provisorischen Schutz des Lohbaches geplanten Holzzaunes beschleunigte. Nunmehr blieben nur noch die Lohbachwege als Gratis-Parkplätze übrig. Nicht genug damit, dass die paar AnwohnerInnen, die über keine eigenen Parkflächen verfügen (etwa Untermieter) und BesucherInnen keinen Platz mehr fanden, die Situation eskalierte derart, dass in mehreren Einsätzen der Exekutive sämtliche in den Lohbachwegen parkenden Autos angezeigt wurden. Ratlosigkeit und Wut machte sich breit, denn die erneut auf diese Problematik aufmerksam gemachte Stadtpolitik handelte nicht. Eine Eingabe beim Amt für Straßen- und Verkehrsrecht ergab die Auskunft, dass nach StVO in Straßen mit Gegenverkehr immer mindestens 2 Fahrstreifen frei bleiben müssen (entspricht einer Fahrbahnbreite von ca. 6,80 bis 7,00 m). Die einzige Möglichkeit, Parkflächen in diesem Bereich zu legalisieren, wäre die Verordnung von Einbahnen, die nach Meinung des Amtes zu erheblichen Umwegen der AnwohnerInnen und zur Erhöhung der gefahrenen Geschwindigkeiten führen würden. Auch durch eine vom VAK vorgeschlagene Umwandlung der Wege bzw. des Lohbachufers in Wohnstraßen könnte man die oben angeführten Bestimmungen der StVO nicht umgehen. Da derzeit kaum legale Parkflächen vorhanden sind, sei die Einführung gebührenpflichtiger Kurzparkzonen in der Lohbachsiedlung eher unwahrscheinlich. Dieser Standpunkt wird durch eine, Recherchen des VAK zufolge nicht sehr treffsichere Umfrage in der Lohbachsiedlung im vergangenen Frühjahr erhärtet: 68,7 % der Befragten mit eigenem Stellplatz und 81,4 % der Befragten ohne privaten Stellplatz hatten sich für die Beibehaltung der derzeitigen Situation ausgesprochen - zum Teil vermutlich in Unkenntnis der Verkehrsentwicklung im Stadtteil. So wird etwa das an der Technischen Universität ab Herbst neu eingeführte IT-Studium über 300 weitere Studierende nach Hötting-West führen ...

Eine weitere verkehrstechnische Maßnahme am Lohbachufer erhitzt die Gemüter: die Durchfahrtssperre zwischen den Lohbachwegen E und F. Kurz zur Entstehungsgeschichte: Jahrelang mussten AnwohnerInnen und PassantInnen, vor allem Kinder, um ihre Sicherheit bangen, wenn sie sich am Lohbachufer entlang bewegten. Mehrere schwere Unfälle, teilweise mit Personenschaden, und viele Beschwerden der AnrainerInnen ließen das Verkehrsamt aufhorchen. Geschwindigkeitsmessungen ergaben Spitzen-Überschreitungen um ein Vielfaches der erlaubten 30 km/h (siehe WW-Artikel vom März 2000) und das Amt reagierte. Statt der von der Bevölkerung vorgeschlagenen Bodenwellen oder versetzten Blumentröge zur Verminderung der Durchfahrtgeschwindigkeit wurde kurzerhand ein Fahrverbot im erwähnten Bereich verhängt. Vielleicht nicht die idealste Lösung des Problems, aber immerhin: Die Behörde hat gehandelt! In diesem Sinne unterstützt der VAK nach wie vor diese Maßnahme (und plädiert sogar für eine tatsächliche Absperrung), denn obwohl immer noch viele das Fahrverbot missachten, hat es dennoch eine gewisse Bremswirkung gezeigt und die Gefahr durch Raserei am Lohbachufer etwas entschärft. Die teilweise sehr vehementen Gegner der Sperre beklagen hauptsächlich die Umwege bei der Fahrt zu den Schulen und Geschäften. Einige neue, schwerwiegende Gründe für die Beibehaltung der Sperre sollten auf jeden Fall überdacht werden: Mehr Sicherheit für Kinder, diedie derzeit noch im Bau befindliche Spiel- und Freizeitanlage hinter der Hauptschule frequentieren werden; mehr Sicherheit für RadfahrerInnen, die die neue Radweganbindung nach Völs nützen wollen; die Verhinderung des Stauausweichverkehrs durch die Lohbachsiedlung und schließlich eine Aufwertung des Lohbachufers als Naherholungsgebiet.

Kurz vor Redaktionsschluss, am 22.09.01., fand auf Einladung des Siedlervereins vor dem neugestalteten Siedlermagazin ein Treffen von Siedlern und Betroffenen statt, bei dem Obmann Helmut Hofer die Verkehrsprobleme und deren Lösungsvarianten detailliert schilderte. Ein diesbezügliches Schreiben war auch an BM Dr. Dr. Herwig van Staa ergangen. Die Anwesenden waren sich einig, dass nur ein gemeinsames Ziel Chancen auf Verwirklichung hat. Folgende Maßnahmen waren für alle vorstellbar: Anbringung großzügig dimensionierter Schilder an den Siedlungseinfahrten ("Einfahrt verboten, ausgenommen Anrainer"), Wiedereinführung der Einbahnregelung stadtauswärts zwischen Josef-Stapf-Straße und Kreuzung Luis-Zuegg-Straße/Karl-Innerebner-Straße, Umsetzung einer faktischen Durchfahrtssperre am Lohbachufer. Besonders die schwer geplagten AnwohnerInnen im Bereich der Berufsschule sprachen sich für eine gebührenpflichtige Kurzparkzone als einzige überwachbare Maßnahme zur Milderung der Parkmisere aus.

Karl-Innerebner-Straße/Tschiggfreystraße

Stichwort Stauausweich- und Parkplatzsuchverkehr: Seit der Öffnung der Westspange ergießt sich ein immer größer werdender Verkehrsstrom von AutofahrerInnen, die Staus auf der Kranebitter Allee ausweichen wollen, in die Tschiggfreystraße und die Karl-Innerebner-Straße. "Kurzparkzonen-Flüchtlinge" gehen in einem immer weiteren Umkreis auf die Jagd nach den letzten legalen Gratisparkplätzen. Keiner will diesen zusätzlichen Verkehr - er bringt Gefahren und Lärm. Die Karl-Innerebner-Straße - früher als eine Art "Nordring" im Flächenwidmungsplan, dann gestrichen, jetzt wieder für den Ausbau in Erwägung gezogen - ist ein stark frequentierter gefahrenreicher Schulweg. Das Tempolimit von 30 km/h und der Zebrastreifen beim Nocksteig werden von vielen AutofahrerInnen ignoriert. Aus diesem Grund wurde auf massives Drängen des VAK eine Maßnahme zur "sanften" Einfahrt in die Karl-Innerebner-Straße realisiert (das sogenannte "Ohrwaschl").

Auch die Tschiggfreystraße wird stark von Schulkindern, Müttern mit Kindergartenkindern, KirchenbesucherInnen usw. genützt. Von Tempo 30 keine Spur! Statt verhärteter Fronten bei den AnwohnerInnen bräuchte es ein gemeinsames Konzept zur Verkehrsberuhigung im gesamten Gebiet (bauliche Maßnahmen, Geschwindigkeitskontrollen, etc.), um die Durchfahrt unattraktiv zu machen

Parkplatz der VS und HS Hötting-West

Zu guter Letzt geht es noch einmal um den ruhenden Verkehr. Das Parken auf dem Schulparkplatz in der Viktor-Franz-Hess-Straße war eigentlich immer schon den Schulangehörigen vorbehalten. Auf Grund der wachsenden Missachtung dieses Umstandes (Umgehung der Parkgebühren) wurden Kontrollen eingeführt: "Illegales" Parken, d.h. während der Kurzparkzeiten, wird ab jetzt mit einer Besitzstörungsklage geahndet. Unbestrittene Tatsache ist, dass während der Unterrichtszeiten die LehrerInnen der beiden Schulen die Parkplätze dringend benötigen und ab jetzt auch dafür bezahlen müssen. So weit, so gut. Viele AnwohnerInnen haben sich allerdings in den Sommermonaten gefragt, ob die strengen Kontrollen auch während der schulfreien Zeiten notwendig sind!? ...

Der Verkehrsarbeitskreis Hötting-West ist ein loser Zusammenschluss engagierter BürgerInnen des Stadtteils, der in regelmäßigen Treffen die aktuelle Verkehrsentwicklung diskutiert und Lösungen anstrebt. Wer an der Teilnahme interessiert ist oder seine Meinung zu den oben aufgezeigten Problemen äußern möchte, soll bitte mit der Redaktion Kontakt aufnehmen!