Tiroler Menschen (Folge 4 von 4)

Erstellt von G.M., E.M. | |   Print-Artikel

Drei getrennte Landesteile in einer vierteiligen Serie zu Wort kommen zu lassen, das ist rein mathematisch ein Problem. Nicht die Trennung, sondern die Verbundenheit, die in großem Variantenreichtum herrscht, möchte ich diesmal ins Zentrum stellen. Und so präsentiere ich die Mensch gewordene Lösung für mein mathematisches Problem: eine Nordtirolerin mit Osttiroler und Südtiroler Wurzeln. Elena ist 14 Jahre alt und hat eine kleine Schwester. Ihre Mutter stammt aus Brixen, ihr Vater ist Installateur und mit zehn Geschwistern in Obertilliach aufgewachsen. Elena besucht die 4. Klasse der Ursulinen. In ihrer Freizeit mag sie Einrad fahren, Schi fahren, schwimmen, lesen und Musik hören. Allerdings hat sie nicht viel Freizeit, denn sie betreibt einen Sport, der ihr einiges abverlangt: Kunstbahnrodeln im Eiskanal. Sie hat schon in der Volksschule begonnen, und es macht ihr immer noch großen Spaß. Im Sommer trainiert sie drei- bis viermal pro Woche, im Winter fünfmal, dazu kommen die Rennen am Wochenende. Durch den Sport war sie schon öfters in Deutschland, in Italien und sogar in Sigulda in Lettland. Die sportliche junge Dame ist Dritte bei den Tiroler Meisterschaften und 6. bei den Österreichischen Meisterschaften ihrer Altersklasse. Ein lebendes Bindeglied zwischen allen drei Teilen Tirols zu sein ist für sie eine Selbstverständlichkeit: „Für mich sind alle drei Orte mein Zuhause, ich fühle mich überall wohl. Im Sommer bin ich am liebsten in Südtirol, im Frühling und Herbst in Nordtirol und im Winter in Osttirol. Dort habe ich mit drei Jahren auf der Schipiste gleich neben dem Haus meiner Oma Schi fahren gelernt. Und die faustgroßen Speckknödel dort sind wunderbar! Zu Hause gibt’s meist Südtiroler Kost, die schmeckt allen super. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist es eine Ehre für mich, diese drei Teile Tirols zu verbinden. Ich bin stolz darauf, verschiedene Wurzeln zu haben und sehe es als Bereicherung.“ Elena kann sich nur an ein Problem erinnern, das sich aus ihrer „multikulturellen“ Herkunft ergab. Das Südtirolerische – ihre Muttersprache im wahren Sinn des Wortes – wurde von ihren MitschülerInnen nicht immer verstanden. Mit „sel“ und „sem“ konnten nicht alle etwas anfangen.