Über allen Gipfeln ist Ruh...

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Eyjafjallajökull ließ den Lärm verstummen. Die Aschewolke des Unaussprechlichen hat den Flugverkehr gestoppt und den Bewohnern in der Einflugschneise ein paar Tage der Ruhe und Erholung geschenkt. Es war ein Gefühl, das man früher einmal gekannt, doch über die Jahre vergessen hat: am Wochenende einfach ausgeschlafen aufwachen anstatt geweckt zu werden. Kein dröhnender Flugzeuglärm riss dich aus dem letzten schönen Traum und verhinderte, wieder einschlafen zu können. Statt sich müde zur Kaffeemaschine zu schleppen um mit Koffein die Lebensgeister zu aktivieren, konnte man munter und gut gelaunt in den Tag starten. Man fühlte sich rundherum wohl und war endlich einmal nicht fremdbestimmt. Der April 2010 wird in Erinnerung bleiben wegen des Vulkanausbruchs in Island, aber auch für jene Tage, an denen der eigene Körper und nicht der Fluglärm darüber bestimmt hat, wann man einzuschlafen oder aufzuwachen hat. Die Auswertungen von Lärmmessstellen in Deutschland haben ergeben, dass 80% des Lärms in den betroffenen Gebieten auf Fluglärm zurückzuführen ist. Dies hat selbst Experten überrascht. Viel überraschender jedoch ist die Reaktion der Fluggesellschaften auf die Luftraumsperre auf Grund von gerechneten Modellen. Aussagen wie: Messen ist gut, Messen bringt Daten, Messen bringt Sicherheit! Man bezeichnet dies auch als die „wissenschaftliche Methode“ oder „ein Rechenmodell lässt sich nicht auf die Realität anwenden“ werden lautstark mittels Medien ausposaunt. Man muss ihnen Recht geben. Kein Rechenmodell kann eine Messung übertreffen. Doch wie hält es die Luftfahrt, wenn die von ihr geforderte, einzig akzeptable wissenschaftliche Methode dazu führt, dass sie den Geldbeutel angreift? Dann werden Rechenmodelle bis hin zur eigenen Blamage verteidigt und Messmethoden als unsicher und nicht durchführbar klassifiziert. So geschehen beim Fluglärmkataster in Innsbruck. Vielleicht erfahren die jahrelangen Forderungen der Anrainer nach Lärmschutzmaßnahmen auf Basis gemessener Werte zumindest bei der Politik jetzt etwas mehr Gehör.