Weiberwind

Die meisten von uns haben in der Schule Englisch gelernt. Schnell stellten wir mit Erstaunen fest, dass in dieser Sprache die sogenannte „Höflichkeitsform“ praktisch ausgestorben ist. Erfreulich für uns, weil einfacher zu lernen. Unhöflicher sind die Engländer dadurch nicht geworden, denken wir nur an das disziplinierte Schlangestehen. Nun ist dieser Prozess auch bei uns im Gange. Natürlich gibt es Widerstand, der Verfall der guten Sitten wird wieder einmal beklagt. Unkompliziert ist es nicht, klare gesellschaftliche Regeln existieren nicht mehr, wer mit „Sie“ und wer mit „du“ anzureden ist. Mitunter ist es peinlich, jemanden mit du anzusprechen, der mit Sie antwortet und umgekehrt. Ich finde es spannend, ein Stück sich verändernde Geschichte so deutlich mitzuerleben. Zurück nach England: Ich fahre in London gerne U-Bahn. Sie ist übersichtlich und schnell und man sieht ein buntes Kaleidoskop unterschiedlicher Menschen. Ein aussichtsloses Unterfangen wäre es, die Leute dort in EngländerInnen und Nicht- EngländerInnen einteilen zu wollen: nach dem Aussehen? nach dem Pass? nach der Herkunftsfamilie? Dazu kommt der Umstand, dass Großbritannien nicht nur aus England besteht. Andererseits fühlen sich viele Menschen aus dem Commonwealth zu Großbritannien zugehörig, das sind 30% der Weltbevölkerung. Auch Innsbruck und damit unser Stadtteil wird immer bunter und internationaler. Unsere Generation ist mittendrin in der sich verändernden Gesellschaft, nimmt Teil an der nicht immer konfliktfreien, aber interessanten Entwicklung. Als Frauen halten wir uns oft das besondere Talent zur Kommunikation zugute, nutzen wir es. Nehmen wir den Verlauf der Geschichte wahr, wir sind Teil davon und können im privaten Bereich daran mitbauen.