Weiberwind

Erstellt von Gerti Machajdik | |   Weiberwind

Nach dem Urlaub – ist vor dem Urlaub. Naja, richtig planen werde ich die nächste Reise noch nicht, aber von Zeit zu Zeit kommen mir Gedanken, was in der Vergangenheit schön war und mir auch in der Zukunft gefallen könnte. So bin ich heuer ein ausgesprochener Fan der Zugfahrt geworden. In Zeitschriften lese ich besonders interessiert die Artikel über Bahnstrecken durch wunderbare Landschaften und über Panoramazüge. In der Schweiz zum Beispiel, auch in Vorarlberg gibt es manch interessante Angebote. Was mich dabei auf den Geschmack gebracht hat war eine ganz gewöhnliche Zugfahrt nach Oberösterreich. Der Blick aus dem Fenster ist faszinierend – Dörfer, Bauernhöfe, Gärten, Hügel, Weiden, Bäume, Wege, Menschen mit und ohne Hund, allein oder in Gruppen – Bilder wie aus einem Landschaftskalender oder einem Fotoband. Von der Autobahn aus dagegen gibt es vor allem Lärmschutzwände, eintöniges Buschwerk, Tankstellen für Autos und für deren Insassen. Die Atmosphäre ist nicht selten stressgeladen. Der oder die Fahrende muss sich mit so vielem auseinandersetzen, nicht zuletzt mit Baustellen und den vielen schlechten Lenkerinnen und Lenkern (90% halten sich selbst für überdurchschnittlich gute Autofahrer). Die Mitfahrenden überkommt meist in besonders unpassenden Momenten die Sehnsucht nach Essen, Trinken, dem Gegenteil, nach Bewegung nicht der Räder, sondern der eigenen steif gewordenen Gliedmaßen. Das erforderliche Zusammendrängen im Fahrzeug erinnert an aggressions- und krankheitsfördernde Massentierhaltung. Unter solchen Umständen fördert man das schnelle, risikoreiche Fahren, zu dem vor allem Männer neigen. Im Zug dagegen kann ich lesen oder Kreuzworträtsel lösen, mich unterhalten, essen, trinken, mir die Beine vertreten. Ich bevorzuge die entspannte Art des Reisens sowohl als einzelne Frau als auch mit Kindern. Vieles gäbe es noch zu sagen und zu schreiben, zum Beispiel über die Preise von Auto und Bahn, über Sicherheit und Umwelt, und dass es auch ganz anders sein kann: im Auto toll und im Zug entsetzlich – manchmal und selten! Aber ich lehne mich erst einmal zurück und träume von zukünftigen Reisen – vielleicht irgendwann mit der Transsibirischen Eisenbahn?