Weiberwind

Erstellt von G.M. | |   Weiberwind

Kinder, Küche, Kirche – das waren die anrüchigen drei K, auf welche früher der weibliche Teil der Menschheit bedauerlicherweise reduziert werden sollte. Inzwischen haben wir Frauen aber unseren Wirkungskreis stark erweitert. Das ist gut so, auch wenn viele Rechte schnell in Zwänge umschlagen können. Aus manchen ursprünglich weiblichen Bereichen ziehen wir uns langsam zurück – nicht immer in Form einer klaren Entscheidung, sondern oft schleichend und unbewusst. Die Küche der Familie ist so ein Ort, in dem traditionell die Frau des Hauses das Zepter beziehungsweise den Kochlöffel geschwungen hat. Das Kochen aus frischen Zutaten ist nämlich kein Job, der in einer halben Stunde erledigt werden kann. Es braucht viel Zeit, zum Planen und Einkaufen, zum Kochen selbst, zum Aufräumen und Säubern danach, auch zum Verstauen und Verwerten der Reste. Dazu wird einiges an Energie benötigt, die sie womöglich nach ihrem Arbeitstag und mit Seitenblicken auf die Bedürfnisse der Kinder, die Wäscheberge und eventuelle Staubansammlungen nicht hat. Ist uns diese Entwicklung bewusst? Befürworten wir sie oder lehnen wir sie ab? Über ihren persönlichen Standpunkt in Theorie und Praxis wird sich wohl jede Frau ihre eigenen Vorstellungen und Gedanken machen. Die Mitte des Tages, in der alle sich stärken nach dem Vor-Mittag und vor dem Nach-Mittag, dieses gemeinsame Zentrum existiert kaum mehr. Das Essen zu individuellen Zeitpunkten nimmt zu, ebenso der Konsum von Fertigprodukten und der Besuch von durch Großküchen belieferte Einrichtungen. Zum Ausgleich dazu boomen die Kochshows im Fernsehen. Es würde mich interessieren, wieviel Prozent der ZuseherInnen davon etwas nachkochen. Das aufwändige Kochen am Wochenende und für Einladungen liegt im Trend. Neue Rezepte ausprobieren, Zutaten interessant kombinieren, dabei erobern auch Männer die Küche. Eine durchaus positive Entwicklung, vorausgesetzt die Eroberer verwandeln ihr Schlachtfeld wieder selbst in einen Ort des Friedens und der Ordnung. Trotzdem bedaure ich den Verlust der Alltagsküche. Und die geregelten „Mahl- Zeiten“ werde ich wohl erst wieder im Altersheim erleben.