Weiberwind

Pompeji fällt mir ein – eine Stadt, die uns nach über 2000 Jahren eine faszinierende Momentaufnahme ihres damaligen Lebens bietet. Ihre Kultur erfüllt uns mit großem Respekt: Mosaiken, Plastiken, Abbildungen von Musikinstrumenten und vieles mehr. Ganz besonders interessiert uns ihr Alltag: Kleidung, Einrichtung, Bäder, Speisen, Spiele, Familie, … Die Frage stellt sich mir: Einen Moment unseres Stadtteiles, konserviert an einem beliebigen Tag des Monats Juni im Jahre 2010, wie würde er auf Menschen in weiteren 2000 Jahren wirken? Wo würden sie nach dem Stand unserer Kultur Ausschau halten? In Kolpinghaus, Kirche, Bücherei, Schule, Uni? Oder in Altenheim, Kindergarten, Geschäft, Wohnung? Was würden sie von uns halten, könnten sie unsere Festkultur, unsere Männer- und Frauenrollen, gar unsere Gesprächskultur rekonstruieren? Wollten sie unsere Kultur messen, unsere unterschiedlichen Kulturen zählen, die damals, 2010, gemeinsam oder nebeneinander lebten? Damals, als viele meinten, das Zusammentreffen zweier Kulturen sei höchstens im Urlaub positiv zu sehen? Man wusste ja noch nicht, dass nur das Zusammenwirken aller die Erde vor der Zerstörung durch die westlichen Hochkulturen retten könnte. Man erkannte noch nicht, den Reichtum, der in der Vielfalt liegt und dass wir trotzdem eine Einheit bilden. Gut, dass sie es rechtzeitig begriffen haben. Sonst könnten wir heute, 4010, nicht an diesen schönen Plätzen mit den eigenartig zungenbrecherischen Namen „Hötting-West“ und „Kranebitten“ flanieren.