Weiberwind

Der Frühling kommt, und alle freuen sich auf Wärme und Sonnenschein oder – noch lieber – schimpfen über Regen und Matsch. Ich persönlich oute mich heute ausdrücklich als Liebhaberin des sogenannten „schlechten Wetters“. Wer bestimmt und definiert eigentlich, was schönes und „schiaches“ Wetter ist? Nachdem wir heutzutage nicht mehr so stark von den richtigen meteorologischen Bedingungen für Aussaat, Wachstum und Ernte abhängig sind, wohl jede und jeder für sich. Ich zum Beispiel liebe es aus dem Fenster zu schauen, während die Nebelfetzen den Bergen entlang wabern und wallen, wenn der Wald je nach Entfernung in fein abgestuften Grautönen sichtbar wird. Während ich auf den Bus warte, betrachte ich gerne Pfützen, in denen einträchtig alte Blätter und frische Blüten schwimmen, sich vertraute Häuser geheimnisvoll spiegeln und kleine Wassertropfen, die doch weite Kreise ziehen, nachdenklich stimmen. Ich freue mich dann auf einen gemütlichen Lesenachmittag zuhause auf der Couch mit der Katze bei Tee, Kaffee und einem (kleinen) Stück Schokolade. Wenn der Besuch des Gastes im zu leuchtenden Stahlblau mit seinem blitzenden, schweren Goldring, den er stundenlang aufdringlich schwenkt, zu ausgedehnt wird, freue ich mich besonders auf die höfliche Dame im eleganten Grau, die mich nicht penetrant zu Ausflügen ins Freie drängt, sondern mir Ruhe gibt und mich zum Verschnaufen und Nachdenken kommen lässt.